…dass das Europäische Patentamt auf seiner Homepage einen kostenlosen maschinellen Übersetzungsdienst für Patente zur Verfügung stellt? Dieser Service nennt sich „Patent Translate“ und wurde in Zusammenarbeit mit Google auf der Basis unzähliger Übersetzungen von Patentschriften, die von menschlichen Übersetzern angefertigt wurden, entwickelt. Aktuell stehen 28 Sprachen zur Verfügung. In Übersetzerkreisen ist dieses Projekt verständlicherweise äußerst umstritten. Es stellt sich durchaus die Frage, wie ein Computer in der Lage sein soll, mit den für Patentbeschreibungen so typischen komplexen Satzstrukturen umzugehen, die sich auch dem menschlichen Leser oft nur nach genauer Textanalyse und mittels profunder Fachkenntnisse der betreffenden Materie erschließen. Auf Fachkonferenzen wird das Thema bereits seit Jahren heftig diskutiert, und viele Kollegen, die in diesem Bereich tätig sind, fürchten, dass ihre Arbeit zukünftig von „Patent Translate“, also vom Computer übernommen wird. Gerade vor dem Hintergrund, dass im Zusammenhang mit dem europäischen Einheitspatent tatsächlich weitgehend auf Patentübersetzungen verzichtet wird, die vorher für die Validierung von Patenten in den einzelnen Ländern erforderlich waren, ist die Befürchtung, in Zukunft weniger Aufträge zu bekommen, durchaus nachvollziehbar und realistisch. Dennoch: Das Europäische Patentamt weist auf seiner Homepage ausdrücklich darauf hin, dass das Übersetzungstool dazu dient, „grob den Inhalt eines Patents oder eines patentbezogenen Dokuments zu erschließen, damit Sie feststellen können, ob das Dokument für Sie relevant ist. Auf dieser Grundlage können Sie entscheiden, ob Sie in eine professionelle Übersetzung des Dokuments investieren sollten.“ Auch der Hinweis, dass das Tool keine rechtsverbindlichen Übersetzungen erstellen kann, ist dort zu finden. Gerade wenn es beispielsweise um Patentstreitigkeiten geht, wird eine von einem professionellen menschlichen Patentübersetzer mit dem entsprechenden technischen Hintergrundwissen angefertigte Übersetzung auch weiterhin unerlässlich sein. Auch wenn die maschinelle Übersetzung tatsächlich immer besser wird, so wird sie den menschlichen Übersetzer noch lange nicht überflüssig machen. Gute Übersetzer müssen sich daher sicherlich keine Sorgen um ihre Zukunft machen.