Patentschutz in mehreren Facetten

Nach Rückkehr aus meinem Urlaub in den USA (San Francisco) starte ich nun mit neuem Schwung in den Herbst. Auch im Urlaub habe ich wieder vielerlei Anregungen und für meine übersetzerische Tätigkeit bekommen. Nicht nur die Unterschiede zwischen britischem und US-amerikanischem Englisch wurden mir nach vielen Jahren überwiegender Konfrontation mit britischem Englisch wieder einmal bewusst, auch das Thema „Patentschutz“ ist mir in der ein oder anderen Facette begegnet. So erfuhr im „Cable Car Museum“ in San Francisco von Andrew Hallidie, der als Vater der berühmten Cable Cars gilt und im Jahr 1871 ein Patent für einen „Endless Wire Ropeway“ erhielt. Beim Lesen seines „Abstracts“ zu diesem Patent wurde mir wieder einmal klar, dass sich die Patentsprache in den letzten 150 Jahren nur unwesentlich geändert hat: „My invention relates to an improved method for obtaining power from weights carried in buckets, sacks or ears attached to an endless wire-rope moving over or around sheaves or pulleys…“ Nicht nur die nostalgischen Cable Cars selbst basieren auch heute im Wesentlichen noch auf derselben Technik wie damals, auch die Sprache, mit der solche Erfindungen beschrieben werden, hat sich nur geringfügig weiterentwickelt. Dies stellte ich bereits im letzten Jahr fest, als ich Ausschnitte aus US-Patentschriften aus den Jahren 1907, 1923 und 1954 zu übersetzen hatte. Meine anfänglichen Bedenken, ob es nicht schwierig sein würde, diese alten englischen Texte zu verstehen, wurden schnell zerstreut, als ich merkte, dass sie sich, rein sprachlich betrachtet, kaum von den aktuellen Patenten, mit denen ich heute zu tun habe, unterscheiden. Nur waren die beschriebenen Vorrichtungen, Systeme und Methoden noch nicht so komplex und natürlich nicht von Elektronik geprägt wie viele der heutigen Erfindungen, so dass sie sich auch dem Verständnis des technischen Laien eher erschließen. Also keine Angst vor historischen Patenten!

Ganz anders bei den unzähligen Patenten, die seit der Entwicklung des Transistors Ende der 1940er Jahre von Unternehmen im Silicon Valley angemeldet wurden! Hier stößt der technisch weniger Geschulte doch schnell an seine Grenzen… Bereits auf dem Flug nach San Francisco hatte ich mir eine Dokumentation über die Entwicklung von Silicon Valley angeschaut, die mich sehr fesselte, und so fand ich es durchaus spannend, als wir dieses Gebiet bei einem Ausflug nach Monterrey streiften. Auch wenn „Silicon Valley“, wie unser Tour-Guide uns versichterte, „is more a state of mind than an exact geographical designation“. Ob geografische Bezeichnung oder eine Geisteshaltung: In jedem Fall wird das Phänomen Silicon Valley auch in Zukunft ständig weitere Patente hervorbringen, die wiederum zu Patentstreitigkeiten führen – ein Ende der Arbeit im Bereich Patentwesen ist daher auch für Übersetzer nicht absehbar…