Immer wieder erreichen mich Anfragen wie: „Wir haben hier einen Text, der müsste ins Englische übersetzt werden. Es sind etwa 5 Seiten. Können Sie uns sagen, was das kostet?“ Oder, schon etwas präziser: „Wir möchten einen Vertrag ins Englische übersetzen lassen. Es sind 15 385 Wörter. Wieviel würde das denn kosten?“

Meine Standardantwort lautet dann meist in etwa so: „Vielen Dank für Ihre Anfrage. Gerne erstelle ich Ihnen ein individuelles Angebot. Dazu bräuchte ich aber noch ein paar weitere Informationen, und vor allem müsste den Text zunächst sehen. Nur so kann ich beurteilen, wie hoch der Arbeitsaufwand ist.“

Denn dafür ist nicht allein der Umfang entscheidend, sondern auch andere Faktoren, wie etwa die Textsorte (z. B. Patentschrift; Markenlizenzvertrag, Gerichtsurteil etc.) oder Zweck der Übersetzung (nur zur hausinternen Information, zur Veröffentlichung im Internet etc.) Auch wenn ich das alles weiß, muss ich mir den Text anschauen, um folgende Fragen zu klären:

Was will der Autor den Ziellesern sagen, zu welchen Reaktionen möchte er sie ggf. veranlassen? Welche Mittel gibt uns die Zielsprache dafür in die Hand? Wie hoch ist der Rechercheaufwand? Muss vieles in einschlägigen Gesetzestexten, EU-Richtlinien etc. nachgeschaut werden? Ist die Fachterminologie eindeutig, gut erschlossen und einfach auffindbar? Geht es um einen einfachen Sachverhalt oder sind es komplexe Themen und Gedankengänge, die geschildert werden? Ist der Ausgangstext sprachlich und fachlich korrekt und verständlich formuliert oder erfordert das Verständnis eventuell umfangreiche Recherchen und Rückfragen beim Autor oder Auftraggeber? Lassen sich bestimmte Begriffe und Inhalte gar nicht 1 zu 1 übersetzen, sondern müssen umschrieben und erklärt werden?

Anfragen der oben beschriebenen Art erhalten wir, weil Übersetzungen tatsächlich traditionell nach Zeilen oder Wörtern berechnet werden und unser Berufsstand es noch immer nicht geschafft hat, zu vermitteln, dass Übersetzen nicht bedeutet, Wörter oder Sätze in einer Sprache durch Wörter oder Sätze in einer anderen Sprache zu ersetzen. Das könnte ein Computer tatsächlich viel besser, dann hätte uns die sich stetig weiterentwickelnde und viel diskutierte maschinelle Übersetzung längst ersetzt.

Was ist Übersetzen dann?

Beim Übersetzen geht es darum, explizite und implizite Inhalte von einem Sender zu einem Empfänger zu transportieren, der eine andere Sprache spricht und einer anderen Kultur angehört, zugeschnitten auf die Gruppe, der der Empfänger angehört (z. B. Laie oder Fachmann auf einem bestimmten Fachgebiet), auf den Zweck bzw. die beabsichtigten Wirkungen beim Leser und ggf. unter Anwendung der üblichen Textsortenkonventionen in der Zielsprache und Zielkultur.

Können Sie sich vorstellen, dass ein Rechtsanwalt sein Honorar danach berechnet, wie viele Worte der Vertrag hat, den er ausarbeiten soll? Wohl eher nicht. Auch für eine Übersetzung werden Sie auf diese Weise kein brauchbares Angebot erhalten.

Wie gehe ich am besten vor?

Entweder rufen Sie mich zunächst an, erklären, worum es geht, und schicken mir dann Ihren Text auf dem vereinbarten Weg, oder Sie liefern mir die benötigten Informationen per E-Mail und schicken mir Ihren Text gleich zusammen mit Ihrer Anfrage. Der Einfachheit halber können Sie gerne mein hier hinterlegtes Formular zur Angebotsanfrage nutzen.

Selbstverständlich behandle ich Ihre Daten vertraulich und lösche Sie umgehend, wenn es nicht zum Auftrag kommt. Natürlich bin ich auch bereit, eine Vertraulichkeitsvereinbarung zu unterzeichnen, bevor Sie mir den Text zur Angebotserstellung zukommen lassen.

Sobald ich die erforderlichen Informationen habe und den Text kenne, erstelle ich Ihnen ein Angebot, in der Regel als Festpreis- bzw. Projektangebot. So steht der Gesamtpreis von vorneherein fest und Sie müssen sich nicht mit Fragen beschäftigen wie: Wird der Text in der Zielsprache oder in der Ausgangssprache gezählt? Zählen Leerzeichen auch mit? (Für diejenigen, die mit Zeilenzählern zusammenarbeiten: Natürlich zählen die Leerzeichen mit. Es sei denn, Sie möchten, dass der Übersetzer die Leerzeichen weglässt… 🙂